, Markku Virtanen

Eine von vielen Kurven erwischt

Meilen blickt auf einen wilden Herbst zurück, hofft aber auf einen ruhigeren Winter. Heute reichten glücklicherweise zwanzig Minuten, um etwas Ruhe zu verbreiten.

Ach du liebes Herren 1 von Meilen, was machst du mit uns allen? Es waren wilde Wochen seit meinem letzten Bericht von vor einem Monat. Den ersten Saisonsieg in Zumikon verfolgte ich einmal mehr im Stream, damals aber nicht aus Pelkosenniemi. Die Portokasse erlaubte mir im Oktober noch ein schönes Wochenende im südlichen Teil von Europa. Und so freute ich mich über den Sieg von Meilen auf dem Heimweg nach Finnland mit einem kühlen Peroni in der Hand.
 
Vor gut einer Woche kehrte ich dann positiv gestimmt in die Schweiz zurück, nicht mit hohen Erwartungen, aber sicher mit neuem Mut. Doch leider verflog diese positive Stimmung in Nürensdorf bereits nach zehn Sekunden. Und es wurde auch in den noch folgenden knapp 60 Minuten nicht mehr besser, so dass ich die Halle noch vor dem Abpfiff verlassen musste und mein Hotel in Zürich aufsuchte. Ich machte mir nun wirklich Sorgen um mein so lieb gewordenes Meilen und hatte gar keine Kraft mehr, einen Bericht zu schreiben.
 
Neue Woche, neues Glück. Nach meiner fünf tägigen Physio-Tagung im Herzen der Schweiz wagte ich wieder einen Fuss in eine Turnhalle. «Markku, nicht du schon wieder…», wurde ich nicht wirklich freundlich in Egg begrüsst. Doch wem kann ich es verübeln, mit mir in der Halle hat Meilen noch nie gesiegt. Ich hoffte sehr, dass sich dies heute ändert. Mit Milchkaffee und Gipfeli bewaffnet, stellte ich mich auf Höhe Spielfeldmitte und wartete vorfreudig auf den Anpfiff.
 
Gut, dass ich den Kaffee immer heiss trinke und auch das Gipfeli schnell vertilgt war, denn nach knapp sieben Minuten konnte ich ein erstes Mal die Hände in die Luft reissen. Mein Team führte! Olen onnellinen. Und es ging gleich so weiter, die blauen Gegner aus Zumikon hatten nicht viel zu melden. Meilen traf, traf, traf und traf. Bis zur Pause führten sie mit 5:0, so was habe ich lange nicht gesehen. Das Lookalike von «Jared Leto» im Tor von Zürisee konnte einem fast schon leidtun. Wirklich schön war dafür, dass beide Linien welche heute auf dem Feld standen, fleissig mit dem Tore schiessen beschäftigt waren. Auch die Alteingesessenen jubelten mal wieder und steuerten gleich drei Treffer bei.
 
Und dann im zweiten Drittel, als ich mich in den südöstlichen Bereich der Halle begab, wo es etwas ruhiger war, staunte ich nicht schlecht. Denn plötzlich setzte sich ein anderer Goalie wie noch im ersten Drittel ins Tor von Meilen, warum? Der grün-weiss gekleidete Torhüter nahm nun als Assistenztrainer neben dem scheinbar neuen Lions Coach mit der Stoffhose Platz. Und der schwarz gekleidete Lions Stammgoalie (soweit ich das beurteilen kann) setzte sich jetzt ins Tor. Ein Goalie Wechsel trotz einer fünf Tore Führung? Naja, es gibt nichts was es nicht gibt. Aber beim Torhüter-Roulette von Meilen bin ich bis jetzt sowieso nicht schlau geworden. Denn teilweise taucht auch Meilens Ex-Trainer als Torhüter bei den Spielen auf. Dieser schlürfte heute jedoch im lauteren Teil der Dreifachturnhalle genüsslich an einem Zuckergetränk aus der Dose und musste sich keine Rüstung überstreifen. Nun aber zurück zum Wesentlichen. Keskittyminen.
 
Der Gegner aus Zumikon bekam das mit dem Torhüterwechsel sicher auch mit und dachte sich wohl: Na dann schiessen wir den mal warm. Im ersten Drittel reichte mir eine Hand, um die Abschlüsse der Blauen zu zählen, somit hatten sie sowieso noch etwas Potential. Und siehe da, nicht einmal sieben Zeigerumdrehungen und drei Abschlüsse später schimmerte bei Zürisee plötzlich die drei von der Resultattafel. Gott sei Dank hat der erfahrene Block von Meilen zwischenzeitlich noch auf sechs Löwen-Treffer erhöht. Und der junge Block der Löwen besserte sehenswert nach, nach dem Zürisee die Zwischenoffensive wieder beendet hatte. Mit dem wunderbar herausgespielten 7:3 wurde der Vorsprung wieder etwas komfortabler. Leider war meine Position in der Halle aber so schlecht, dass ich mir diese Passstafette im Livestream nochmals zu Gemüte führte. Ja und dann müsste Meilen eigentlich die Chance zum 8:3 mittels Penalty erhalten. Einer der Blauen legte im eigenen Schutzraum einen originalen «Köpfler» hin, um das dritte Tor von Meilens Nummer sieben zu verhindern. Doch der Schiedsrichter, welche definitiv näher am Geschehen war als ich, war gedanklich wohl schon in der Pause. Perkele!
 
Da es noch morgens war holte ich mir in der Pause einen Kaffee und entschied mich gegen ein Bier. Was denken auch all die Leute, wenn ich immer mit einem Bier in der Hand durch die Turnhallen marschiere. Ich verschob meine Bleibe für das letzte Drittel dann weiter westlich und hoffte dort auf weitere Meilen-Tore. Doch zuerst musste ich mit ansehen, wie Meilens junger Dribbelkönig eine Zweiminutenstrafe abholte. Ja klar wurde er zuerst gefoult, doch wie er anschliessend den Ellenbogen gegen den Gegner ausfuhr, war einfach nicht sonderlich clever. Doch die Unterzahlsituation war zum Glück kein Problem für Meilen. In der Mitte des Drittels nahm der Gegner dann sein TimeOut, kommt jetzt die Schlussoffensive? Naja, nicht so wirklich. Angekurbelt wurde sie erst von Meilens Nr. 97, welche Zürisee eine weitere Powerplaymöglichkeit offerierte. Und diese nutzte Zürisee zum 7:4 aus. Es war das erste Tor in einem torarmen letzten Drittel, von einem sonst sehr torreichen Spiel. Die Blauen erzielten dann tatsächlich noch ein weiteres und kamen bis auf zwei Treffer heran. Ich wählte einfach in jedem Drittel die falsche Seite, um die Tore von Nahem zu sehen. Es war wie verhext. Und dann durfte Meilen dem im zweiten Drittel noch bösen Schiedsrichter danke sagen, dass sie nicht ein weiteres Mal in Unterzahl spielen mussten. Meilens Nr. 77 packte noch ein paar Mal die Sense aus, was aber glücklicherweise unbestraft blieb.
 
Irgendwann ertönte dann endlich die Sirene und Meilen durfte sich über seinen zweiten Saisonsieg freuen. Gratulation von finnischer Seite an das Team. Auch die zahlreich erschienen Fans von Meilen freute dies. Und schön zu sehen, dass trotz Herbstkrise so viele Zuschauer ihrem Verein treu bleiben und ihn weiterhin unterstützen. Auch dann, wenn es nur auf der anderen Seite des Hausbergs ist. Unterstützt ist unterstützt.
 
Die Spieler kamen nach der Partie dann sichtlich erleichtert aus der Halle. Einer der Jungen liess sich sogar zu einem «für einen Döner tun wir alles» hinreissen. Na dann weiss der Verein ja, wie er seine Spieler in Zukunft locken kann. Immerhin sichtete ich heute den Finanzier des Vereins in Egg, er wird diesen Grossausgaben sicher seine Zustimmung gegeben haben.
 
Also Markku, genug geschrieben, die Rückreise nach Pelkosenniemi steht an. Heute geht es für mich sogar noch etwas weiter nördlich, denn der Lokka-Stausee eröffnet heute seine Wintereisbahn und da gibt es für mich natürlich noch einen verdienten Glögi.
 
Nähdänn Meilen.