, Markku Virtanen

Herbstzeit ist Chilbizeit und Saisonstart

Langsam, aber sicher schleicht sich der Herbst über die Schweiz und die Region Zürichsee. Und was heisst das in Meilen? Chilbi! Und das erste Saisonspiel! Alles an einem Wochenende.

Oh wie schnell verfliegt die Zeit. Erst war es noch Juni und ich weilte für die Fussball Europameisterschaft der Frauen in der Schweiz, und jetzt geht es bereits wieder auf Ende September zu. Die kesäloma sind vorbei und der Alltag hat mich wieder fest im Griff. Zum Glück stand in dieser Woche ein weiteres Trainerseminar in St.Gallen an, so dass ich bereits seit ein paar Tagen wieder in der Schweiz weilte. Über die sozialen Netzwerke habe ich erfahren, dass in meinem neuen Lieblingsdorf am Zürichsee die Chilbi stattfindet. Natürlich etwas, was ich auf keinen Fall verpassen durfte.

Die jährlichen markkinat sterben bei uns in der Region um Pelkosenniemi leider immer weiter aus, weshalb mich ein solcher Anlass umso mehr erfreut. Während drei Tagen fand die Chilbi im Dorfkern von Meilen statt, gestartet hat sie bereits am Donnerstag. «Heute machen wir noch einen Ruhigen» sagte man mir am frühen Donnerstagabend an der Bar, als ich mein erstes Bier bestellte. Überraschenderweise wurde mir an der Bar kein Valaisanne geöffnet, sondern ein Züri Hell. Ich war ganz verblüfft, doch auch das kühle Zürcher Bier schmeckte mir hervorragend. «Morgen müssen wir ja noch arbeiten», setzte der Herren 1 Spieler seinen Chilbi-Plan fort. «Dafür geben wir am Freitagabend Vollgas und am Samstag bleiben wir dann aber leider nicht allzu lange», verkündete er mir und bestellte ein weiteres Bier.

Das mit dem Samstag hatte tatsächlich einen guten Grund. Dies merkte ich, als ich mir den Spielplan der neuen Saison endlich mal etwas genauer anschaute. Die Löwen starteten nämlich bereits am Sonntagmorgen um 10 Uhr in die neue Saison, da sollte man als Spieler besser nukkui hyvin und raittiina erscheinen. Für mich als Zuschauer galt das zum Glück nicht, dachte ich etwas naiv im Voraus.

Das Angebot an der Lions Bar war so verlockend, dass ich während den drei Tagen zum Stammgast mutierte. Den Beitritt in den 100er-Club hat man mir aber trotzdem verwehrt, da ich keine vapaaehtoistyö an der Bar leistete. So hätte ich nämlich eine Menge Geld sparen können, denn die vielen Krokodil-Platten, all die Biere und Apérols haben mich dann doch eine ganze Stange Geld gekostet. Immerhin war der teaminterne Lions-Ausflug zum Autoscooter für mich gratis, da ich bei einem Herren 1 Spieler mitfahren durfte. Wobei Mitfahren nicht ganz stimmt, ich durfte sogar das Cruisen übernehmen. Im Griff hatte ich das Cruisen aber leider nicht. Wir wurden ganz schön durchgeschüttelt, obwohl unser Auto mit uns beiden zu den schwereren im Ring gezählt hat. Allgemein ist das Lions-Team nicht gerade wegen seiner vielen Schwergewichte bekannt, aber dies ist nur eine Notiz am Rande.

Am Samstagabend war es dann tatsächlich ruhiger und so hatte ich Zeit für ein paar spannende Gespräche. Ich wollte mich für das 1.Saisonspiel vom Präsidenten begleiten lassen, doch er musste mit anderen starken Männern den Chilbi-Abbau am Sonntagmorgen übernehmen. «Jemand muss es hald machen», da hat er natürlich recht, der Präsident. Immerhin konnten wir zusammen noch ein Bier trinken, «Ein Züri Hell bitte!», befahlen wir dem hochkarätigen Barpersonal, kurz bevor die Chilbi wegen des eidgenössischen Buss- und Bettags schon wieder vorüber war.

Zu den happigen Chilbi-Ausgaben hinzu, kamen heute Morgen die Kopfwehtabletten und die zwei Espressi, damit ich einigermassen funktionsfähig war. Ganz pünktlich auf das Lions Spiel in Kloten hat es mir trotzdem nicht gereicht, das Spiel war bereits am Laufen und mit Schrecken musste ich
feststellen, dass die schwarz gekleideten Herren von der Goldküste bereits einem Rückstand hinterher rannten. Mit einem knappen Rückstand von 0:1 ging es in die Pause, ich brauchte noch einen weiteren Kaffee, ich sah ja kaum auf den Platz.

Im zweiten Drittel geschah lange wenig, und dann kam es noch bitterer. Ein eigener Lions Spieler überlistete, nachdem er unglücklich angeschossen wurde, seinen Goalie und erhöhte für die Zürcher mit dem lustigen Namen Innebandy 11 auf 0:2. Hätten sie Salibandy geheissen, wären sie mir sympathischer gewesen. Gemäss den vielen Erzählungen an der Chilbi hatte ich jedoch ein anderes Geschehen auf dem Platz erwartet. «Den 2.Ligisten haben wir in den Testspielen ordentlich eingeheizt», sagte mir einer der Jüngeren im Team mit viel Selbstvertrauen am Freitag nach ein paar Bier. Kurz nach Spielhälfte gelang dann der langersehnte Anschlusstreffer, ich glaube es war die Nummer 27, die traf. Der Kaffee erzielte noch nicht die richtige Wirkung. Noch vor der Pause holte ich mir ein weiteres Koffein-Getränk und verpasste prompt das 1:3 für Innebandy 11. «Läuft noch nicht so», konsternierte eine der Spielerfreundinnen in der Pause. «Nein, leider nicht», pflichtete ich ihr bei.

Im dritten Drittel lief die Angriffsmaschinerie der Lions dann besser und sie verzeichneten einige Abschlüsse auf das gegnerische Tor. Sogar einige sehr gute Abschlüsse. Doch noch wollte der Ball kein weiteres Mal rein. Allgemein war es hin und wieder ziemlich rumplig. Der Körperkontakt wurde des Öfteren gesucht. Fünf Minuten vor dem Ende traf die Nummer 13 der Löwen dann doch noch! Plötzlich war der Ausgleich zum Greifen nahe. Und ich freute mich, dass der 13ner auch zum Tore schiessen gut war, und nicht nur zum Strafen nehmen. Aber der Nörgeler vom letzten Cupspiel war heute auch nicht in Kloten. Wahrscheinlich hatte ihn der Kater noch etwas härter im Griff als mich. Item, zurück zum Spiel, Innebandy half sich am Ende noch mit einem TimeOut und brachte den Sieg über die Zeit. Die Offensivpower der Lions reichte leider nicht für einen weiteren Treffer und die knappe Niederlage zum Saisonauftakt war Tatsache.

So hat sich der heutige Ausflug nach Kloten für mich leider nicht wie erhofft gelohnt. Und da mir die Müdigkeit nach drei Tagen Chilbi arg in den Knochen hing, verzichtete ich auf weitere Gegnerinspektionen. Die Saison ist ja schliesslich noch lange und da ich für mein Trainerdiplom noch ein paar mal in der Schweiz weilen werde, werde ich die Gruppe 5 noch ausreichend analysieren können.

Nähdänn Meilen.