, Willy Härter

H1 weiterhin ohne Offensive unterwegs

Es scheint als würden die Lions momentan ihre gesamte Offensivstärke isolieren und für einen späteren Zeitpunkt aufsparen. Man kann als Aussenstehender nur hoffen, dass die Kurve der erzielten Tore nach oben zeigt, bevor es fünf vor Zwölf schlägt.

Tik, tok, tik, tok. Der lang ersehnte Gamechanger blickte gebannt auf die alte Wanduhr in seinem Zimmer, wo der gebürtige Berner Stucki Bidu in Isolation sass. Der Zeiger auf dem Zifferblatt bewegete sich langsam und bedrohlich Richtung foif vor Zwölfi. In einer langen, von viel Geschwurbel, aber auch klaren Ansagen geprägten, Videokonferenz hatte der ehemalige Unihockeystar aus Hasle-Rüegsau seine Meinung zur momentanen Lage abgegeben. Den Begriff, den der Emmentaler Hüne in jedem zweiten Satz verwendete, war: "Roue Zwöi". Was er damit wohl meinte?

Während der Gamechanger also in seinem Kämmerlein die Zeigerumdrehungen zählte, versammelten sich die Lions - wie die C-Junioren - frühmorgens an einem Samstag im idyllischen Schaffhausen mit dem wunderbaren Munot. Dieses Mal traf man auf einen ganz neuen Gegner, das Zwöi vom NLA-Verein HC Rychenberg. Dass diese Mannschaft gut Unihockeyspielen konnte, war nach dessen 6:2-Sieg über Zürisee bekannt. Aber hatten die Lions aus den vergangenen Spielen gelernt und konnten ihren abserbelnden Offensivmotor wieder auf Touren bringen? Leider lautet die Antwort darauf nein.

Willy Härter hatte sich an diesem Tag arg verspätet, da er fälschlicherweise die falsche Abzweigung in Schaffhausen genommen hatte und fast in Deutschland gelandet wäre. Soll vorkommen. Wie dem auch sei, er hatte sich zur Beruhigung gerade einen Kaffee geholt und lief während der vierten Spielminute in die Halle, als der HCR gerade den ersten Treffer markierte. Und leider wiederholte sich dies gerade mal zwei Minuten später. Härter machte gleich wieder kehrt und lief kopfschüttelnd zur Halle raus. Das Spiel ging jedoch weiter und die Lions brauchten ein ganzes Drittel um richtig ins Spiel zu finden. 

Im Mittelabschnitt sah man dann plötzlich eine andere Partie: Rychenberg wurde stark unter Druck gesetzt, kam fast nicht mehr aus der eigenen Spielhälfte und die Lions erarbeiteten sich Chance um Chance. Doch wie gegen Schaffhausen vergab man drei bis vier hochkarätige Chancen, die einfach rein müssen. Vor allem, wenn an solch einem Tag auch der Innenpfosten für den Gegner spielt, braucht es einfach mehr Effizienz im Abschluss!

Caviezel und Härter mittlerweile wieder hoffnungsvoller, obwohl man hinter den maskierten Antlitzen ihre Gefühlslage eigentlich nicht erkennen konnte. Die zweite Pause schien aber eher dem Gegner geholfen zu haben. Die Lions zu unkonzentriert, kassierten Gegentor Nummer drei kurz nach Beginn des letzten Spielabschnitts. Doch man kämpfte weiter und nahm das gegnerische Tor weiter unter Beschuss. Hofer traf schliesslich mittels Freischlag unter dem Motto "Bügel oder nüt". Das reichte allerdings nicht, denn auch der HCR beantwortete dies mit ihrem vierten Treffer. Dabei hatte der Torschütze fast soviel Zeit wie bei einem Penalty...

Alles nach vorne lautete also die Devise für die letzten Minuten. Hilfesuchend schweiften die Blicke der Spieler auf der Bank nach ihrem "Expertenteam" Caviezel und Härter. Doch diese waren unauffindbar. Ob sie in die Nebenhalle Handballschauen gingen, nach Deutschland zum Einkauf fuhren, oder auf dem Heimweg im Lufinger Hirschen einkehrten, ist nicht bekannt, aber eigentlich auch völlig irrelevant. Solange die Lions nicht lernen früher den Ball abzuspielen, und zwar in den freien Raum, wo sich ein Mitspieler hinbewegt, wird das Toreschiessen weiterhin zäh bleiben. In der Offensive fehlt definitiv viel mehr als in der Defensive. Die Lions-Torhüter können einem fast leid tun...

Und was macht wohl unser "Gamechanger" gerade so? Natürlich wird er wie gebannt auf die Wanduhr blicken und auf das Ende seiner Isolation hoffen. Und wie im Fieberrausch wird er nicht nur Tik, tok vor sich hin beten, sondern auch immer wiedermal "Roue Zwöi" kreischen. Dabei beruft sich der Emmentaler wohl auf die ungenügende Arbeit der Lions-Spieler auf dem Feld ohne Ball bei gleichzeitigem Ballbesitz. Freiräume suchen, freilaufen, Ball fordern sind alles Dinge, die man gerne wieder mehr bei den Lions sehen würde. Auf das dann der Ball auch wieder flüssiger läuft und den Gegner ins Schwitzen bringt.

Also, liebe H1-Spieler, wartet nicht mehr allzu lang damit und befreit den schwitzenden, von Fieberträumen geplagten Gamechanger. Denn sowas nagt auch immer mehr an der Psyche und Stucki Bidu möchte eigentlich auf Temesta und dessen Nebenwirkungen verzichten.

Zum Glück geht die Saison schon am nächsten Sonntag weiter. Hoffentlich werden die maskierten Zuschauer dann ein Erwachen der Lions-Offensive sehen, wenn man im Derby gegen das H2 des UHC Pfannenstiels antritt.